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zur Verwaltungsvorschrift (VwV)) Radfahrausbildung

 

Anfrage zum Zeitpunkt der Fahrradprüfung

beantwortet von

Karl Binder
Innenministerium Baden-Württemberg
- Landespolizeipräsidium -
Referat 31 - Verkehrsunfallprävention


Die Radfahrausbildung in der schulischen Verkehrserziehung erfolgt, wie in dem Schreiben zur Aktion Sicherer Schulweg zitiert, auf der Grundlage der gemeinsamen Verwaltungsvorschrift des Kultus- und des Innenministeriums - VwV Radfahrausbildung - Fundstelle: KuU 2005 S. 167 - sowie des Bildungsplanes für die Grundschule. Der Bildungsplan 2004, Grundschule, S. 108, schreibt die Radfahrausbildung und folglich auch die Radfahrprüfung der Klasse 4 zu. Weitere Grundlagen sind das Programm "Radfahren in der Schule" der Deutschen Verkehrswacht und die landeseigenen "Anregungen zur Verkehrserziehung für die Grundschule, Klasse 3 / 4".

Maßgeblich für die Entscheidung, die Radfahrprüfung frühestens in der vierten Grundschulklasse ablegen zu lassen, waren insbesondere Erkenntnisse der Wissenschaft. So weiß man, dass Kinder erst ab etwa zehn Jahren Entfernungen und Geschwindigkeiten schätzen können und ab etwa elf Jahren Gefahren des Straßenverkehrs gut einschätzen können, auch für andere Verkehrsteilnehmer wie z. B. Autofahrer. Frau Prof. Dr. Maria Limbourg, Uni Duisburg-Essen, stellt sogar fest, dass die Fähigkeiten zum sicheren Radfahren erst in einem Alter von ca. 14 Jahren vollständig ausgebildet sind. Hinzukommt, dass Kinder in der Gruppe sich nochmal unberechenbarer verhalten.

Auch der Gesetzgeber hat diesen Erkenntnissen Rechnung getragen. So wurde mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung schadenersatzrechtlicher Vorschriften vom 19.07.2002, BGBl S. 2674, in § 828 Abs. 2 BGB die Deliktsfähigkeit von Kindern heraufgesetzt. Demnach sind Kinder seit dem 1.8.2002 wenn sie das 7. aber nicht das 10. Lebensjahr vollendet haben, für den Schaden, den sie bei einem Unfall mit einem Kraffahrzeug, ..., einem anderen zufügen, nicht verantwortlich, sofern die Rechtsverletzung nicht vorsätzlich herbeigeführt wurde. Das bedeutet ein geringeres Haftungsrisiko für die Erziehungsberechtigten aber ein höheres für evtl. geschädigte Dritte. In der Begründung wird konkret auf die Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie von Kindern eingegangen.

Aus diesen Gründen empfehlen wir und die Polizei im Einvernehmen mit dem Kultusministerium bei der schulischen Verkehrserziehung, die Kinder erst nach der Radfahrprüfung alleine auf dem Schulweg mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen. Der Zeitpunkt der Radfahrprüfung richtet sich nach dem zw. Schule und Polizei abgestimmten Ausbildungsplan.

Ein diesbezügliches Verbot gibt es jedoch nicht. Es liegt letztendlich in der Entscheidung der Eltern / Erziehungsberechtigten. Es ist allerdings vielerorts Praxis, dass die Schulleitung ein sog. Fahrradabstellverbot o.ä. ausspricht, weil sonst kein anderes Mittel zur Verfügung steht.

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